Das erste Kurzfilmfestival der Deutschen Schule Helsinki fand am 24. Mai im Andorra-Kino statt. Das Filmtheater, das den beiden Kaurismäki-Brüdern gehört, hatte sich nach Unterrichtsschluss schnell gefüllt und alle waren gespannt was sie wohl erwarten würde.

Als es dunkel geworden war im Saal begann die Vorstellung mit einem alten Mr. Lonely-Musikvideo.  Nach der Begrüßung des Publikums durch Schulleiter Frank Kühn und nach dem Grußwort des deutschen Botschafters Dr. Thomas Götz gab es drei weitere Oldies – diesmal Animationsfilme, darunter eine Folge der sagenumwobenen „Attack Of The Chairs“ Reihe von Viljam Virtanen.

Danach folgten die ersten der elf von der Jury nominierten Kurzfilme des Wettbewerbs. Im Clip „Die Idee“ der Elftklässler Jing-Wei, Cornelius und Santeri haben diese ihr Ringen um eine gute Story in den Mittelpunkt gestellt, während Filmveteran Jaakko Taavila und sein Team die Leiden des Wachtmeisters Jyry ob seiner gestohlenen Doughnuts spannend verfilmt haben: hier gelang es durch gekonntes Audiodesign die Spannung der Bilder zu steigern.  Im dritten Kurzfilm von Rosa, Sonja & Co bewahren drei junge Damen ein depressives Mädchen in der Metrostation nicht nur vor einem geplanten Selbstmord, sondern es kommt auch völlig neu gestyt aus dem Lift, bevor die Geschichte eine absurde Wendung nimmt. Das Ganze wurde abgerundet von einer gelungenen Persiflage auf die Schokoladensucht eines jungen Mädchens, überzeugend gespielt von  Sina aus Klasse 11.

Als „special guest“ begrüßte Kunstlehrer Claus Hoffmeister die junge Künstlerin, Architekturstudentin und Stipendiatin des Salmelan Kunstzentrums Kia Taegen, die sich auch seit vielen Jahren mit Animationsfilmen beschäftigt. Dabei reist ihr Teddy im Schuco-Oldtimer durch Stadt und Land – diesmal ist er in Berlin unterwegs zur Anton Karras-Musik aus dem Klassiker „Der dritte Mann“.

Im zweiten Filmblock versuchen zwei Siebtklässler in Risto Ravelas Clip dem öden Nachsitzen zu entkommen während in „Franz Ferdinand“  der Ausbruch des ersten Weltkriegs von Arna und Leila gekonnt auf die Schippe genommen wird. Die Produktion „Sandman“ ist eine Assoziationsmontage in der Tradition der Spanier Dali und Bunuel, aber auch der junge Roman Polanski lässt grüßen, als die jungen Damen um Satu Münte der Ostsee in ihrem Traumfilm entsteigen. Den Schrank indes, haben sie nicht dabei. Der Kurzfilm „Earth“ aus der Europäischen Schule von Anthony Fedorov beschäftigt sich mit Grundfragen nach dem Sinn des Lebens, wie sich auch Paula Fritze die Frage stellt, ob wir nur Teil eines Programms sind, ob alles vorbestimmt ist, nach Schein und Wirklichkeit, nach Höhlengleichnis usw. In dem Film „Irrlichter“ entführen uns Felix Uusitalo, AlvarHilger und Lucas Bürstenbinder in die Welt der Wahnvorstellungen (oder doch nicht?) bevor Lilian, Thomas und Yogi uns zurück in die Welt der Liebe bringen, einer Liebe um und vor einer Waschmaschine.

Danach durften alle Besucherinnen und Besucher ihren Lieblingsfilm auf einem Stimmzettel ankreuzen.  Während eifrige Hände dieselben auswerteten zeigte Schauspielerin und Dramaturgin Elsa Ervasti, was sie in den letzten Monaten mit ihrer Theatergruppe auf die Beine gestellt hatte: Chapeau – das Dargebotene konnte sich wirklich sehen lassen.

Es folgte ein Interview mit Herrn Juha Blomberg, dem Sohn des berühmten Regisseurs Erik Blomberg, der vor 60 Jahren bei den Filmfestspielen in Cannes  für seinen Film „Das weiße Rentier“ eine Palme überreicht bekam. Erik Blomberg wurde vor genau hundert Jahren geboren. Deshalb ist es uns eine Ehre, dass wir unserem „Oskar“ den Namen Erik gegeben haben.
Für Erik Blomberg war das Allerwichtigste für einen guten Film eine tolle Geschichte, und danach musste diese in gute Bilder umgesetzt werden, und zwar so, dass es jeder versteht. Am wichtigsten daher Papier und Bleistift, also die sorgfältige Planung. Und schließlich schauten wir noch einen Ausschnitt aus Erik Blombergs preisgekrönten Film an.
Ganz am Ende warteten alle ganz gespannt auf die Überreichung der Eriks. Den Preis der Jury (Juha Blomberg, Claus Hoffmeister, Ria Häkkinen, Jutta Reetmeyer und Christin Rodrian) erhielt für ihren Kurzfilm „Das Programm“ die junge Filmemacherin Paula Fritze aus der achten Klasse der DSH.

Auf den dritten Platz setzte die Jury die Produktion von Jaakko Taavela (Klasse 10)„Doughnut-Ali“. Platz zwei ging an die Crew um Satu Münte und Co aus der zehnten Klasse für ihren Traumfilm „Sandman“.

Der Publikumspreis und Publikumserik ging an Jing-Wei, Cornelius und Santeri für die Produktion "Die Idee". Dieser Film erhielt von den Zuschauern die meisten Stimmen.
Alle hatten viel Spass an diesem Nachmittag im Andorra und als wir danach wieder auf die Strasse kamen zeigte sich Helsinki wieder von seiner sonnigsten Seite.

Allein im Kunstunterricht sind in diesem Schuljahr in der DSH fast 100 Filme und Filmchen entstanden – Animationsfilme, Dokumentationen, Musikvideos sowie Spielfilme.
In der Zukunft müssen auch Storytelling und Drehbuchschreiben sowie Audiodesign und Vertonung noch stärker in die Produktionen einfließen – auch Fächer übergreifend -  um die Qualität der Montage voranzutreiben. Tolle Technik und schnelle Rechner sind dabei nur Hilfsmittel, Herstellermarken sind völlig unerheblich, viel wichtiger ist die gute Planung, sind Papier und Bleistift - wie auch Juha Blomberg nochmals feststellte.

 

oben: der Erik der Jury ging an Paula Fritze aus der achten Klasse für ihren Kurzfilm "Das Programm"
Als zweiten Sieger wählte die Jury den Film "Sandman" von Satu Münte, Helena Jetses, Vera Wonnenberg, Hannah Goerke, Lea Väisänen und Viljam Virtanen aus. Herzlichen Glückwunsch!
Der dritte Platz der Jury ging an das Team von Jaakko Taavila, Elmo Mustonen und Jyry Suhonen für ihren Film "Doughnut-Ali".
Das Publikum wählte den Film "Die idee von Jing-Wei, Cornelius und Santeri (alle klasse 11a) für seinen Erik aus.Unten im Bild die Publikumslieblinge zusammen mit Schulleiter Frank Kühn, der das Festival eröffnet hatte.
Rechts im Bild der deutsche Botschafter Dr. Thomas Götz bei seinem Grusswort, in dem er auf die Bedeutung des Mediums Film im 21. Jahrhundert hinwies.